Drohne mit Wärmebildkamera

Rehkitzrettung mit der Drohne

Die erste Mahd wird jedes Jahr zur Todesfalle für Tausende von Rehkitzen und anderen Kleintieren. Denn diese frühe Grünlandernte fällt mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere zusammen, die in Wiesen und Feldern Schutz suchen. Moderne Technik und ehrenamtliche Helfer retten auf diese Weise tausenden von Wildtieren das Leben.

… §1 Tierschutzgesetz sagt eindeutig: „… niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen!“

Gestern war es dann endlich soweit – meine erste Rettungsaktion für Rehkitze in unserem Revier stand an. Erfreulicherweise kommt der betroffene Landwirt schon seit vielen Jahren zu uns und bittet um Unterstützung bei der Rehkitzrettung. Früher wurde dann mit vielen Jägern, Helfern und Hunden die betreffenden Wiesen vor der Mahd abgegangen aber gestern konnte ich live erleben, dass man 20 Zentimeter an einem kleinen Kitz vorbeilaufen kann, ohne es überhaupt zu sehen. Heute findet die Rettungsaktion vermehrt mit Hilfe von Wärmebildkameras unter Drohneneinsatz statt und das ist eine sehr große Erleichterung.

Wenn die Landwirte im Frühjahr die erste Grünlandmahd vollziehen, werden jährlich etwa 90.000 Rehkitze grausam verstümmelt oder getötet. Dagegen wird in unserem Revier schon viele Jahre etwas unternommen aber bislang beschränkte sich das auf ein systematisches Abgehen der Felder durch die Jäger und Helfer. Das war und ist sehr aufwändig und trotz aller Bemühungen und Erfahrung läuft man im schwachen Licht der Nacht oder des herannahenden Morgens nicht selten 50 cm an einem Kitz vorbei, ohne es überhaupt zu bemerken.

Was ist überhaupt das Problem? Die Gefahr betrifft nicht nur Rehkitze sondern auch Bodenbrüter und anderes am Boden kauerndes, schlafendes oder sich versteckendes Wild. Bei Rehkitzen ist es nur besonders schlimm, weil diese Wildart als sogenannter „Ducker und Schlüpfer“ als Verteidigungsstrategie das reglose, platte Verharren auf dem Boden als Verteidigungsstrategie gewählt hat. Vor Füchsen oder Greifen aus der Luft mag diese Technik eine gute Idee sein aber die riesigen Mähwerke der landwirtschaftlichen Maschinen beeindruckt das nicht. Diese fahren im Schnitt mit ca. 20 km/h und mähen auf einer Breite bis 14 m. Da hat der Landwirt nur eine sehr geringe bzw. keine Chance!

In diesem Jahr konnten wir bei uns im Revier, durch die private Anschaffung einer Drohne mit Wärmebildkamera, effizient und fortschrittlich versuchen, das Wild vor der Heumahd zu bergen oder zu vertreiben.

Drohnenpiloten und Helfer bei der Rehkitzrettung
Drohnenpiloten und Helfer bei der Rehkitzrettung

Wir starteten wir gegen 22:00 Uhr und hofften, dass der Boden nach dem warmen, sonnigen Tag soweit abgekühlt war, dass die Wärmesignaturen des Wildes sichtbar werden würden. Zum Einsatz kam eine DJI Mavic 2 Enterprise Advanced mit RTK-Modul und drei Akkus, die jeweils ca. 30 Minuten gehalten haben sowie zwei Monitore. Ein externer Feldmonitor, der größer als das original Display der Drohne ist, vereinfachte die Erkennung erheblich. Zudem haben wir alle Fluginformationen auf diesem Device ausblenden können und der Pilot konnte sich voll und ganz auf die Drohne konzentrieren, während ich mit konzentriertem Blick den großen Monitor im Auge hatte.

Im Fokus standen drei Felder mit insgesamt etwa 25 ha, wovon das größte 17 ha hatte. Da es unser erster Einsatz mit der Drohne war, musste man sich mit der Programmierung ein wenig befassen. Aus diesem Grund waren wir schon vor dem Landwirt an dem ersten Feld und setzten die Parameter für das automatische Flugraster, dass die Drohne abfliegen sollte. Dazu wurde über das Smartphone die Karte erfasst und die Grenzen nachgezogen. Die innerhalb dieser Grenzlinien entstehende Fläche teilte dann die Software der Drohne in eine notwendige Anzahl Bahnen für eine Flughöhe von 30 m ein. Während der Traktor mit den beiden vorne und hinten angebrachten Kreismähern geduldig wartete. So wurde jeder Meter des Feldes abgeflogen und übertragen und schon nach kurzer Zeit konnten wir einen kleinen, hellen Punkt im Gras auf den Monitoren erkennen – die Wärmesignatur eines Tieres.

Über die gute Auflösung des 4k Fieldmonitors konnte ich sogar die sich bewegenden Lauscher des Kitzes erkennen. Ich rief die schon wartenden Helfer im Feld an und schickte sie in die Richtung der Drohne, die senkrecht über dem Kitz schwebte. Ein blinkendes Licht auf dem Kopter machte es den Kitzrettern einfach, den Weg zu finden. Hierbei muss man allerdings aufpassen, dass man mit der Drohne nicht zu tief geht, damit das Wild nicht durch den plötzlichen Luftstrom aufgeschreckt wird und flüchtet, da bei Rehwild nur wenig Distanz zurückgelegt wird, bevor sich das Tier wieder „duckt“ und verharrt. Also – schön vorsichtig und alsbald wurden die Helfer am Rand des Monitors mit ihrer Wärmesignatur sichtbar. Nun dirigierte ich Sie mit Schritt- und Richtungsangabe genau in die Richtung des kauernden Lichtpunktes. Es ist sehr spannend, wenn man erkennt, dass die Helfer einen halben Meter vor dem Kitz stehen und es immer noch nicht sehen, obwohl die Wärmesignaturen auf dem Monitor förmlich aufschreien, weil es so aussieht, als treten sie jeden Moment drauf.

Rehkitzretter auf dem Weg zur Wärmesignatur des Kitzes
Rehkitzretter auf dem Weg zur Wärmesignatur des Kitzes.

Die Helfer tragen Gummihandschuhe und haben einen mit Stroh und Gras ausgelegten Bastkorb dabei. In diesem wird das Kitz geborgen, ohne das man es berührt. Anschließend wird das junge Tier in Sicherheit gebracht und die Suche geht weiter.

Auf diese Weise konnten wir in wenigen Stunden sechs Kitze retten. Der Landwirt begann sofort nach der Suche die Mahd der Wiese und mäht als erstes einen ca. 8 – 10 m breiten Außengürtel. Dieser vermindert die Gefahr, dass sich Wild während der Mahd wieder zurück ins Feld schleicht. Wir begannen derweil mit den anderen Feldern und und waren fertig, als die große landwirtschaftliche Maschine um die Ecke kam.

Für mich war es ein sehr schönes und befriedigendes Gefühl, aktiv bei der Rettung mitzuhelfen. Einige meiner Bekannten fragten mich daraufhin, warum ich das denn machen würde – später würde ich es doch sowieso schießen. Auch wenn ich die Bemerkungen teilweise ziemlich „dumm“ fand, habe ich versucht, ruhig und ohne Sarkasmus zu antworten. Ja, irgendwann werde ich vermutlich ein Rehwild erlegen, welches ich heute gerettet habe aber dann fällt es hoffentlich auf der Stelle und ohne den Schuss überhaupt zu hören; ohne Leiden und ohne Schmerzen! Bis dahin hatte es aber ein schönes Leben und kann zu seinem Auftrag für den erhalt einer gesunden und artenreichen Wildpopulation das ein oder andere beitragen. Für mich ist das gelebter Naturschutz und eines von vielen Beispielen, wie Jäger, Jungjäger und (angehende Jungjäger) sowie viele tausende Helfer täglich ihren Beitrag dazu leisten, dass wir überhaupt noch eine Wildtierpopulation in Deutschland haben.


Noch etwas in eigener Sache – Bitte beachtet, dass ihr bestimmte Vorschriften für den legalen Drohnenflug einhalten müsst, denn ab 2021 gilt die neue „Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“. Deshalb muss man sich vorher sehr genau informieren und die Vorschriften zu Flugverbotszonen (Natur- und Vogelschutz sowie andere Gebiete) penibel einhalten bzw. Sondergenehmigungen beantragen. Seit dem 1. Mai 2021 muss jeder Drohnenpilot sich beim Luft­fahrt-Bundes­amt (LBA) registrieren, wenn seine Drohne eine Kamera hat. Nach der Registrierung erhalten Sie eine Nummer (e-ID), diese dann dann auf der Drohne angebracht sein muss. Außerdem wird ein passender Drohnenführerschein (Kompetenznachweis) benötigt – je nach Drohne und Anwendungsgebiet – das Mindestalter beträgt 16 Jahre. Jüngere dürfen nur Spielzeug-Drohnen steuern. Das sind leichte Drohnen (Abfluggewicht unter 250 Gramm), die ohne Kamera ausgestattet sind und über keinen Sensor zur Erfassung persönlicher Daten verfügen. Zu guter Letzt muss noch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden und dann kann es losgehen.

Weitere Informationen findet ihr hier:

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