Wildhege statt Wildverwaltung – wohin steuert die Jagd in Rheinland-Pfalz?

Wildhege statt Wildverwaltung – wohin steuert die Jagd in Rheinland-Pfalz?

Warum wir als Jägerschaft wieder selbstbewusster für Wild, Lebensraum und Weidgerechtigkeit eintreten müssen

Ein Beitrag aus Sicht eines Jagdaufsehers und engagierten Jägers inmitten nicht mehr idealer Bedingungen, Herausforderungen und Ansichten.

Jagd ist mehr als Abschuss!

Dieser Satz klingt zunächst selbstverständlich. Und doch habe ich zunehmend den Eindruck, dass genau dieser Grundgedanke in der heutigen jagdpolitischen Diskussion verloren geht.

Die Jagd ist in Rheinland-Pfalz gesetzlich untrennbar mit der Hege verbunden. Es geht um einen gesunden, dem Lebensraum angepassten Wildbestand, um den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, um Naturschutz und Landschaftspflege – und selbstverständlich auch darum, Wildschäden zu vermeiden.

Das aktuelle Landesjagdgesetz formuliert diese Aufgaben sogar ausdrücklich. Die Hege soll sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen der Wildtierbiologie orientieren, die natürlichen Lebensgrundlagen des Wildes sichern und verbessern und eine verantwortungsvolle, störungsarme Jagdausübung gewährleisten. Auch die allgemein anerkannten Regeln der Jagdethik und Weidgerechtigkeit werden ausdrücklich genannt.

Doch zwischen dem gesetzlichen Anspruch und der jagdlichen Wirklichkeit klafft zunehmend eine Lücke.

Wild ist kein reiner Kostenfaktor

In vielen Diskussionen wird Wild inzwischen hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt betrachtet, welchen Einfluss es auf die Waldverjüngung oder das wirtschaftliche Betriebsziel des Waldes hat.

Natürlich müssen Verbiss- und Schälschäden ernst genommen werden. Natürlich kann eine zu hohe Wilddichte den Wald erheblich beeinträchtigen. Das bestreitet auch niemand, der verantwortungsvoll jagt.

Aber Wild ist mehr als ein möglicher Verursacher von Verbiss.

Wildtiere sind Bestandteil unseres Ökosystems. Sie gehören zu unserer Kulturlandschaft. Und wer von Hege spricht, muss sich zwangsläufig auch mit der Frage beschäftigen, wie ein Lebensraum gestaltet werden kann, in dem Wildtiere und Wald gemeinsam existieren können.

Genau hier liegt für mich eines der größten Probleme unserer heutigen Diskussion:

Wir reden sehr viel über das Wild.

Wir reden aber zu wenig mit Blick auf das Wild.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Wildhege bedeutet auch Lebensraumhege

Wer Wildbestände nachhaltig bewirtschaften will, darf nicht nur über Abschusszahlen sprechen.

Wir müssen über Äsungsflächen sprechen. Über Ruhezonen. Über Deckung. Über strukturreiche Waldränder. Über Feldgehölze, Hecken, Streuobstwiesen, Wildäcker und Brachen. Über die Vernetzung von Lebensräumen.

Und wir müssen darüber sprechen, wie wir Störungen reduzieren.

Das Land Rheinland-Pfalz selbst weist darauf hin, dass sowohl die Jagd als auch der Forstbetrieb Möglichkeiten besitzen, durch Lebensraum- und Äsungsverbesserung Wildschäden zu reduzieren. Auch der Einfluss von Jagddruck und Störung auf das Verhalten des Wildes wird ausdrücklich anerkannt.

Das ist wichtig.

Denn wenn Wild ständig beunruhigt wird, verändert es sein Verhalten. Es zieht sich zurück, konzentriert sich in bestimmten Bereichen und kann dort wiederum verstärkt Schäden verursachen.

Die Lösung kann deshalb nicht immer nur lauten:

„Mehr schießen.“

Manchmal muss die Frage lauten:

„Warum verhält sich das Wild so, wie es sich verhält?“

Und genau diese Frage gehört zur modernen Wildtierbewirtschaftung.


Das Problem mit der einseitigen Betrachtung des Waldes

Ich möchte ausdrücklich sagen: Es geht nicht darum, den Forst zum Gegner der Jägerschaft zu machen.

Viele Försterinnen und Förster leisten hervorragende Arbeit. Viele Forstleute haben großes Wissen über Waldökologie, Waldbau und Lebensräume.

Aber Forstwirtschaft und Jagd betrachten einen Lebensraum zwangsläufig aus unterschiedlichen Perspektiven.

Der Förster betrachtet in erster Linie den Wald.

Der Jäger beobachtet das Wild.

Der Wildbiologe betrachtet Populationen, Verhalten und Lebensräume.

Der Naturschützer betrachtet Artenvielfalt und ökologische Zusammenhänge.

Und der Grundeigentümer hat möglicherweise noch einmal eine andere Perspektive.

Keine dieser Sichtweisen ist allein ausreichend.

Problematisch wird es dort, wo eine Perspektive zum alleinigen Maßstab gemacht wird.

In Rheinland-Pfalz haben forstbehördliche Stellungnahmen eine erhebliche Bedeutung für die Abschussplanung. Die zuständigen Forstbehörden bewerten den Einfluss des Schalenwildes auf das waldbauliche Betriebsziel; diese Bewertungen können Auswirkungen auf die festzusetzenden Abschusszahlen haben.

Damit besitzt die forstliche Sichtweise im System erhebliches Gewicht.

Und genau deshalb muss die Jägerschaft darauf achten, dass die wildbiologische und jagdpraktische Sicht nicht untergeht.

Denn ein Verbissgutachten kann feststellen, dass Verbiss vorhanden ist.

Es beantwortet aber nicht automatisch jede Frage danach, warum er entstanden ist.

War die Wilddichte zu hoch?

Fehlen Äsungsflächen?

Ist der Lebensraum falsch strukturiert?

Ist das Wild durch Freizeitaktivitäten stark beunruhigt?

Liegt eine ungünstige räumliche Verteilung vor?

Welche Baumarten wurden untersucht?

Welche waldbaulichen Ziele werden verfolgt?

Und welche Maßnahmen außerhalb der Jagd könnten den Konflikt reduzieren?

Diese Fragen müssen gemeinsam beantwortet werden.

Nicht gegeneinander.


Wenn Gutachten zur Einbahnstraße werden

Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass fachliche Bewertungen häufig stärker wahrgenommen werden als die Erfahrungen derjenigen, die tagtäglich im Revier stehen.

Der Jagdpächter.

Der Jagdaufseher.

Der Berufsjäger.

Der Revierinhaber.

Menschen also, die teilweise hunderte Stunden im Jahr draußen verbringen und das Verhalten des Wildes unmittelbar beobachten.

Natürlich ist diese Beobachtung kein Ersatz für wissenschaftliche Untersuchungen.

Aber sie ist eine wichtige zusätzliche Informationsquelle.

Derjenige, der morgens im Revier steht, Wildbewegungen beobachtet, Einstände kennt, Äsungsflächen beurteilt, Fallwild findet, Nachsuchen durchführt und über Jahre hinweg dieselbe Population beobachtet, verfügt über Erfahrungen, die in einem Gutachten nicht vollständig abgebildet werden können.

Deshalb brauchen wir mehr miteinander verknüpfte Informationen – nicht weniger.

Forstliche Daten plus jagdliche Beobachtungen plus Wildbiologie plus Lebensraumanalyse.

Das wäre moderne Wildbewirtschaftung.


Die Jägerschaft muss sich aber auch an die eigene Nase fassen

Jetzt kommt der unangenehme Teil.

Wir Jäger können nicht ständig bessere Rahmenbedingungen fordern und gleichzeitig selbst aufhören, uns weiterzuentwickeln.

Die Jägerprüfung ist anspruchsvoll und vermittelt eine breite Grundlage. Rheinland-Pfalz nennt unter anderem Wildbiologie, Naturschutz, Jagdrecht, Waffenrecht, Wildbrethygiene und Waldbau als Bestandteile der jagdlichen Ausbildung.

Aber danach endet die Entwicklung nicht.

Im Gegenteil.

Nach dem Jagdschein beginnt die eigentliche Verantwortung.

Wildbiologie entwickelt sich weiter.

Erkenntnisse über Verhalten und Populationsdynamik entwickeln sich weiter.

Technik entwickelt sich weiter.

Jagdmethoden entwickeln sich weiter.

Auch die gesellschaftlichen Erwartungen an Tierschutz, Naturschutz und nachhaltige Nutzung verändern sich.

Deshalb brauchen wir eine viel stärkere Weiterbildungskultur innerhalb der Jägerschaft.

Nicht nur für die Prüfung.

Nicht nur für die Verlängerung des Jagdscheins.

Sondern aus eigener Verantwortung.

Das Land selbst hat bereits darauf hingewiesen, dass erkannte Ausbildungsdefizite durch gezielte Fort- und Weiterbildungsangebote geschlossen werden könnten.

Und hier müssen wir als Jägerschaft endlich selbstbewusst handeln.


Die größte Gefahr sind nicht die alten Jäger – sondern alte Denkmuster

Es wäre zu einfach, die Probleme auf ältere Jäger oder traditionelle Jagdweisen zu schieben.

Tradition ist nicht grundsätzlich schlecht.

Im Gegenteil: Viele jagdliche Traditionen enthalten einen enormen ethischen Wert.

Problematisch wird Tradition erst dann, wenn sie zum Argument wird, sich nicht mehr mit neuen Erkenntnissen auseinanderzusetzen.

„Das haben wir schon immer so gemacht.“

Dieser Satz darf in einer modernen Jagd keine wissenschaftliche Begründung ersetzen.

Aber auch das Gegenteil ist falsch:

Nicht jede neue Idee ist automatisch besser, nur weil sie neu ist.

Wir brauchen deshalb weder blinde Fortschrittsgläubigkeit noch das Festhalten an überholten Vorstellungen.

Wir brauchen Fachlichkeit.

Wir brauchen Erfahrung.

Wir brauchen Wissenschaft.

Und wir brauchen die Bereitschaft, die eigene Meinung zu überprüfen.


Jagdethik darf kein Museumsstück werden

Besonders kritisch sehe ich die Entwicklung, dass die Jagd zunehmend über Zahlen, Abschussquoten und wirtschaftliche Interessen diskutiert wird.

Die Jagd darf aber nicht zu einer reinen Managementmaßnahme verkommen.

Ein Wildtier ist kein Stück Statistik.

Es ist ein fühlendes Lebewesen.

Und genau deshalb hat die Jagd eine besondere Verantwortung.

Die neue rheinland-pfälzische Gesetzgebung greift diesen Gedanken ausdrücklich auf: Sie verlangt eine Jagdausübung unter Beachtung des Tierschutzes und nennt die allgemein anerkannten ungeschriebenen Regeln der Jagdethik und Weidgerechtigkeit ausdrücklich als Bestandteil guter fachlicher Praxis.

Das sollte uns Jägern eigentlich selbstverständlich sein.

Doch Selbstverständlichkeiten müssen manchmal wieder ausgesprochen werden:

Wir schießen nicht, weil wir schießen können.

Wir schießen, weil eine verantwortungsvolle Wildbewirtschaftung die Entnahme bestimmter Tiere erfordert.

Und wir müssen dabei immer das Wohl des Wildes im Blick behalten.

Eine möglichst störungsarme Jagd.

Sichere Schüsse.

Konsequente Nachsuche.

Die richtige Auswahl des Wildes.

Respekt vor dem erlegten Tier.

Sinnvolle Nutzung des Wildbrets.

Das sind keine romantischen Relikte vergangener Zeiten.

Das ist das Fundament einer verantwortungsvollen Jagd.


Jagdaufseher: Mehr Verantwortung statt weniger Einfluss

Gerade hier sehe ich eine besondere Aufgabe der Jagdaufseher.

Ein Jagdaufseher ist nicht einfach jemand, der im Revier „aufpasst“.

Er ist Beobachter.

Er ist Ansprechpartner.

Er kennt das Revier.

Er kennt Wildwechsel, Einstände und problematische Bereiche.

Er kann Wilderei und Verstöße feststellen.

Er kann verletztes Wild erkennen und entsprechende Maßnahmen einleiten.

Und er kann wesentlich dazu beitragen, dass Jagdschutz, Wildschutz und Hege tatsächlich im Revier stattfinden.

Deshalb brauchen wir aus meiner Sicht eine stärkere Anerkennung und Einbindung qualifizierter Jagdaufseher.

Warum sollten Menschen mit entsprechender Ausbildung und praktischer Erfahrung nicht systematischer in Hegekonzepte, Lebensraumbewertungen und regionale Wildmanagementkonzepte einbezogen werden?

Warum sollte man deren Beobachtungen nicht strukturiert erfassen?

Warum sollte ein Jagdaufseher nicht bei bestimmten regionalen Arbeitsgruppen selbstverständlich mit am Tisch sitzen?

Wenn wir wollen, dass die Jagd professioneller wird, müssen wir auch die vorhandene jagdliche Kompetenz besser nutzen.


Hegegemeinschaften brauchen mehr Augenhöhe

Besonders wichtig ist mir die Rolle der Hegegemeinschaften.

Sie sollen Wildbestände großräumig bewirtschaften und revierübergreifende Konzepte entwickeln. Gerade beim Rotwild geht es ausdrücklich um eine einheitliche, großräumige Bewirtschaftung und auch um Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraumes.

Das kann nur funktionieren, wenn alle Beteiligten auf Augenhöhe miteinander sprechen.

Forst.

Landwirtschaft.

Jagd.

Naturschutz.

Jagdgenossenschaften.

Grundbesitzer.

Wildbiologie.

Und vor allem diejenigen, die das Wild tatsächlich bewirtschaften.

Es darf nicht dazu kommen, dass die Meinung des Försters automatisch als fachliche Wahrheit gilt, während die Erfahrung der Jäger lediglich als persönliche Meinung abgetan wird.

Das ist nicht sachgerecht.

Aber ebenso wenig wäre es sachgerecht, die Erkenntnisse der Forstwirtschaft pauschal zurückzuweisen.

Die richtige Antwort lautet:

Alle müssen ihre Daten, Erfahrungen und Interessen offenlegen – und gemeinsam nach einer Lösung suchen.


Auch die Jagdgenossenschaften müssen ihre Verantwortung wahrnehmen

Jagdgenossenschaften haben eine besondere Verantwortung.

Sie sind nicht lediglich Empfänger forstlicher Empfehlungen.

Sie vertreten die Interessen der Grundeigentümer und entscheiden innerhalb ihrer gesetzlichen Möglichkeiten mit darüber, wie Jagd und Hege im jeweiligen Gebiet gestaltet werden.

Deshalb sollten Jagdgenossenschaften stärker darauf achten, dass Entscheidungen auf einer breiten fachlichen Grundlage getroffen werden.

Nicht:

„Das Forstamt sagt, wir müssen mehr schießen.“

Sondern:

„Welche Daten liegen vor? Welche Wildbestände haben wir? Welche Schäden gibt es tatsächlich? Welche Ursachen gibt es? Welche Maßnahmen außerhalb der Jagd sind möglich? Und welche jagdlichen Maßnahmen sind fachlich und tierschutzgerecht sinnvoll?“

Das ist ein gewaltiger Unterschied.


Das Land muss die Jägerschaft ernst nehmen

Auch die Politik ist gefordert.

Rheinland-Pfalz kann nicht einerseits von rund 20.000 privaten Jägerinnen und Jägern erwarten, dass sie in ihrer Freizeit wesentliche Aufgaben des Wildtiermanagements übernehmen, und andererseits ihre praktische Erfahrung bei der Gestaltung von Regelungen nur unzureichend berücksichtigen. Landesforsten selbst beschreibt die private Jägerschaft als wesentlichen Träger von Jagd und Hege.

Wenn immer neue Regelungen, Vorgaben und Verfahren eingeführt werden, müssen diese auch aus Sicht der Praxis überprüft werden.

Eine Vorschrift kann auf dem Papier hervorragend aussehen und im Revier trotzdem nicht funktionieren.

Dann muss man den Mut haben, sie zu ändern.

Praxisferne ist kein Qualitätsmerkmal guter Jagdpolitik.


Was wir konkret ändern müssen

Wir sollten deshalb nicht nur kritisieren.

Wir sollten konkrete Vorschläge machen.

1. Verbindliche jagdliche Fortbildung etablieren

Wer dauerhaft jagen will, sollte sich auch dauerhaft weiterbilden.

Denkbar wäre beispielsweise ein Fortbildungsnachweis innerhalb eines mehrjährigen Zeitraums.

Themen könnten sein:

  • Wildbiologie
  • Wildtierkrankheiten
  • Jagdethik und Weidgerechtigkeit
  • moderne Bejagungsstrategien
  • Lebensraumgestaltung
  • Nachsuche
  • Tierschutz
  • Wildbrethygiene
  • Waffen- und Jagdrecht
  • Waldökologie
  • Konfliktmanagement

Das wäre keine Schikane.

Das wäre professionelle Qualitätssicherung.

2. Jagdaufseher deutlich stärker qualifizieren

Für Jagdaufseher sollten weiterführende Ausbildungsangebote geschaffen und anerkannt werden.

Wer zusätzliche Verantwortung übernimmt, sollte auch zusätzliche Fachkenntnisse erwerben können.

3. Wildbiologische Daten und Revierwissen zusammenführen

Wir brauchen regionale Datenbanken oder standardisierte Erfassungssysteme, in denen neben forstlichen Daten auch jagdliche Beobachtungen dokumentiert werden.

Nicht Bauchgefühl gegen Gutachten.

Sondern:

Beobachtung + Daten + Wissenschaft.

4. Lebensraumverbesserung muss gleichberechtigt neben Abschuss stehen

Wenn Wildschäden reduziert werden sollen, darf nicht automatisch der Abschuss die erste und einzige Maßnahme sein.

Äsungsflächen, Ruhezonen, Biotopstrukturen, Wildwiesen, Hecken und andere lebensraumverbessernde Maßnahmen müssen stärker berücksichtigt werden.

5. Forstliche Stellungnahmen müssen transparent sein

Jäger und Jagdgenossenschaften müssen nachvollziehen können:

  • wie Daten erhoben wurden,
  • wo sie erhoben wurden,
  • welche Flächen betrachtet wurden,
  • welche Kriterien angewendet wurden,
  • wie die Ergebnisse interpretiert wurden.

Transparenz schafft Akzeptanz.

6. Jagd und Forst müssen endlich auf Augenhöhe miteinander arbeiten

Der Förster ist nicht der Gegner des Jägers.

Der Jäger ist nicht der Gegner des Försters.

Beide brauchen einander.

Aber Zusammenarbeit funktioniert nur auf Augenhöhe.

7. Jagdethik muss wieder stärker Bestandteil der Ausbildung und Diskussion werden

Wir müssen jungen Jägern nicht nur beibringen, wie sie Wild erlegen.

Wir müssen ihnen auch vermitteln, wann, warum und unter welchen Bedingungen eine Erlegung ethisch und fachlich verantwortbar ist.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

8. Die Jägerschaft muss offensiver kommunizieren

Wir dürfen nicht erst dann sprechen, wenn eine neue Regelung beschlossen wurde.

Wir müssen vorher am Tisch sitzen.

Wir müssen sachlich argumentieren.

Wir müssen Daten liefern.

Wir müssen eigene Konzepte vorlegen.

Und wir müssen auch dann den Mund aufmachen, wenn uns die eigene Seite nicht gefällt.

Denn glaubwürdig ist nur, wer auch Selbstkritik zulässt.


Wir müssen wieder vom Verwalten zum Gestalten kommen

Ich glaube nicht, dass die Zukunft der Jagd darin liegt, immer mehr Vorschriften zu produzieren und immer mehr Abschusszahlen zu verwalten.

Die Zukunft liegt in einem integrierten Wildtiermanagement, das Wild, Wald, Landwirtschaft, Naturschutz und Menschen gemeinsam betrachtet.

Und dafür braucht es Jäger, die fachlich auf der Höhe der Zeit sind.

Jagdaufseher, die Verantwortung übernehmen.

Hegegemeinschaften, die ihren gesetzlichen Auftrag ernst nehmen.

Jagdgenossenschaften, die nicht einfach die jeweils lauteste fachliche Stimme übernehmen.

Forstbehörden, die ihre wichtige Rolle wahrnehmen, aber auch andere Fachperspektiven akzeptieren.

Und eine Landespolitik, die denjenigen zuhört, die draußen im Revier Verantwortung tragen.


Unser Ansehen gewinnen wir nicht durch Forderungen zurück

Am Ende geht es um noch etwas Größeres:

um das Ansehen der Jagd.

Dieses Ansehen bekommen wir nicht zurück, indem wir uns darüber beschweren, dass andere Menschen uns nicht verstehen.

Wir bekommen es zurück, indem wir zeigen, was verantwortungsvolle Jagd tatsächlich bedeutet.

Durch Fachwissen.

Durch Transparenz.

Durch gute Öffentlichkeitsarbeit.

Durch respektvollen Umgang mit Wild und Natur.

Durch konsequente Weidgerechtigkeit.

Durch moderne Wildbiologie.

Durch funktionierende Hege.

Und vor allem durch Jägerinnen und Jäger, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Wir sollten deshalb nicht ständig fragen:

„Was dürfen wir noch?“

Wir sollten häufiger fragen:

„Was müssen wir tun, damit die Jagd auch in 20 oder 30 Jahren noch eine gesellschaftlich akzeptierte, fachlich anerkannte und ethisch verantwortbare Aufgabe ist?“

Meine Antwort darauf ist eindeutig:

Wir müssen wieder stärker selbst gestalten.

Wir müssen uns weiterbilden.

Wir müssen unsere Erfahrungen und unser Wissen einbringen.

Wir müssen uns gegen fachlich nicht nachvollziehbare oder in der Praxis nicht umsetzbare Vorgaben sachlich, aber bestimmt zur Wehr setzen.

Und wir müssen gleichzeitig bereit sein, unsere eigene Jagdpraxis kritisch zu hinterfragen.

Denn eines darf niemals verloren gehen:

Die Jagd ist kein Selbstzweck.

Sie ist eine besondere Form der Verantwortung gegenüber dem Wild, dem Lebensraum und der Gesellschaft.

Wenn wir das wieder stärker in den Mittelpunkt stellen, brauchen wir uns vor keiner anderen Interessengruppe zu verstecken.

Dann können wir selbstbewusst sagen:

Wir sind Jäger.
Wir hegen.
Wir schützen.
Wir bewirtschaften.
Und wir übernehmen Verantwortung.

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