Flintenschuss mit Schrot

Jagdliches Schießen

Für einen angehenden Jäger ist der sichere Umgang mit der Büchse, Flinte und Kurzwaffe von entscheidender Bedeutung bei der Praxis aber auch bei der Prüfung. Dieser Artikel beschreibt die Bestandteile der Prüfung in Rheinland-Pfalz und geht auch auf die Schwierigkeiten in der Anfangsphase des Trainings ein.

Der letzte Eintrag ist nun eine Weile her und das lag nicht daran, dass nichts passierte; im Gegenteil! Die Ausbildung schreitet voran und wir bearbeiten immer mehr Themen, die hochinteressant sind. An dieser Stelle muss ich auch mal meinem Mentor oder „Jagdprinz“ loben! Inzwischen habe ich diverse Kontakte aufgebaut und befinde mich natürlich auch in einigen Jagdgruppen von Social-Media-Plattformen. Nirgends – und das ist nicht übertrieben – von niemandm habe ich bislang gehört oder lesen können, dass die Jagdausbildung so intensiv und praxisnah ausgeführt wurde oder wird, wie bei mir. Das ist schon mal einen großen Dank wert!

Vor einigen Wochen haben wir dann auch endlich mit der Schießausbildung beginnen können. Diese ist durch Covid-19 ein wenig ins Stocken geraten und es brauchte eine Zeit, bis alles nach Vorschrift organisiert werden konnte. Nun kann meine Gruppe aber jede Woche um die gleiche Zeit die jagdlichen Disziplinen trainieren. Beim Ausbildungsschießen geht es um die Grundbegriffe des jagdlichen Schießens. An erster Stelle steht dabei die Sicherheit und die korrekte Handhabung der unterschiedlichen Waffen und Munition.

Wir trainieren mit der Büchse an zwei 100-Meter-Bahnen für Langwaffen zum einen sitzend aufgelegt auf den Keiler und zum anderen stehend angestrichen auf einen Rehbock. Auf einer 60-Meter-Bahn schießen wir schwingend und frei stehend auf einen „laufenden Keiler“, der von rechts nach links in 2 Sekunden über eine 6 Meter breite Schneise zieht.

Auf dem Schießstand wird mit Subsonic-Munition geschossen.

Die Fertigkeiten des Flintenschießens werden in Altenkirchen mit dem „Rollhasen“ traininert. Der Schrotschuss erfolgt auf eine rote Keramikscheibe, die über eine Bahn mit natürlichen Unebenheiten rollt.

Last but not least steht noch eine 25-Meter-Bahn für die Kurzwaffe zur Verfügung. Leider konnte wir das Training für den Fangschuss oder die Fallenjagd nocht nicht ausüben, da die Bahn nur beschossen werden kann, wenn alle anderen Stände frei sind. Das ist zur Zeit, bedingt durch Corona, nicht so einfach.

Alle Disziplinen haben ihre eigenen Schwierigkeiten. Die Büchsenschüsse sind aufgrund des Rückschlags und des Schußknalls gewöhnungsbedürftig und der Schrotschuss auf den Rollhasen nicht so einfach, weil man erst einmal die flüssige Bewegung und das Vorhalten verinnerlichen muss. Der richtige Stand und die gleitende Bewegung aus der jagdlichen Erwartungshaltung in den Anschlag müssen sauber und immer gleich ausgeführt werden.

Da ich bereits bis zur Deutschen Meisterschaft auf Bogentournieren mitgeschossen habe – immerhin bin ich mit meiner Gruppe Bronzemeister geworden – kenne ich die „Auf- und Abs“ beim Schießtraining. Am Anfang läuft intuitiv alles gut und mit jedem weiteren Übungsschießen lernt man dazu. Dieses Wissen möchte man natürlich auch umsetzen und perfektionieren und dann schaltet sich immer häufiger der Kopf ein. Das ist meist der Punkt, an dem man sich oftmals wieder verschlechtert; vielleicht sogar schlechter, wie zu Beginn des Trainings. Das ist aber normal! Was soll ich sagen? „Hier muss man einfach durch!“ Man darf sich nicht entmutigen lassen und vor allen Dingen immer darauf achten, was nicht funktioniert hat. Ein guter Schütze ist der, der seine Fehler kennt. Wenn ich nicht weiß, warum ich abgekommen bin oder mein Schuss nicht sitzt, kann ich nichts verbessern. Je rationaler man an sein Training heran geht, desto schlechter werden häufig die Gesamtleistungen aber Schritt für Schritt fängt sich das wieder und anschließend hat man den entscheidenden Vorteil gegenüber zu Beginn des Trainings – die Konstanz – also die Bestäntigkeit!

Bei mir entpuppt sich bei jedem zweiten Schuss das „Mucken“ zu einem Problem. Inzwischen bin ich aber soweit, dass ich es spüre, wenn es nicht geht und sichere, öffne den Verschluss und setze ab. Lieber einen neuen Anlauf, wie zu lange im Anschlag zu sein.

Speziell beim Schrotschuss habe ich gemerkt, wie hilfreich das „Trockentraining“ sein kann. Ich trainiere zuhause oft mit einem Luftgewehr, dass mit den Maßen und Gewichten sehr ähnlich zu einer Jagdwaffe ist, den flüssigen Anschlag und die Schwingbewegung. Es braucht immerhin zwischen 4 bis 6 Wochen, bis eine solche Bewegung in das Muskelgedächtnis übergeht. Ist das passiert und man hat es bis dahin fehlerfrei trainiert, braucht man sich nicht mehr viele Gedanken um den korrekten Sitz der Waffe im Anschlag machen. Das bemerkt man dann sofort in der Konstanz der Treffer!

Überrascht bin ich über die Kosten. Ich möchte nicht verschweigen, dass durch das Schießtraining jede Woche zwischen 20 und 30 € bezahlt werden müssen. Rechnet man das auf das Jahr der Mentorenausbildung hoch, so kommt man durchschnittlich bei 50 Wochen auf ca. 1.200,- €. Das ist nicht gerade wenig Geld und sollte vor der Ausbildung bekannt sein. Dennoch – es eine gute und meiner Meinung nach auch notwendige Investition, denn letztendlich fordern die ethisch und gesetzlich verankerten Grundsätze des Tierschutzes und der Waidgerechtigkeit von jedem Jäger, das Wild so zu erlegen, dass ihm vermeidbare Schmerzen und Leiden erspart bleiben. Für mich persönlich ist das eine innere Überzeugung, lieber den „Finger gerade zu lassen“, wenn man keinen sicheren Schuss anbringen kann, als auf „gut Glück“ etwas zu probieren! Das kann ich auf der Schießbahn aber nicht bei einem Lebenwesen. Enorm wichtig ist natürlich auch, die Aspekte der öffentlichen Sicherheit zu beachten. Niemand darf zu keinem Zeitpunkt gefährdet werden und da hilft alles theoretische Wissen nur bedingt – man braucht den praktischen Umgang mit der Waffe und einen automatisierten Ablauf der Sicherheitsüberprüfung seiner Umgebung und des Geländes. Ist Kugelfang vorhanden? Gibt es Gegenstände oder Flächen die zu Apprallern führen können? Wie weit ist der Gefahrenbereich der Munition? Ist das Vorder- und Hintergelände frei? Und so weiter … all diese Dinge müssen in Fleisch und Blut übergehen.

Auch hier muss ich wieder ein großes Lob aussprechen – ich habe in den letzten Wochen oft mit angesessen und konnte alle Aufgaben, die vor einem Schuss anstehen, immer und immer wieder trainieren und einstudieren. Natürlich dürfen wir noch nicht schießen aber das ist auch gar nicht notwendig. Wichtiger ist es zu lernen, das Wild korrekt anzusprechen, das Gelände entsprechend zu sondieren. Genau zu wissen, in welchem Korridor man schießen kann und wo man absetzen muss, sollte das Wild außerhalb des sicheren Bereiches wechseln. Die Erfahrung zu machen, wann das Büchsenlicht noch ausreichend ist und wann man besser auf einen Schuss verzichtet. Dieser Teilt des Unterrichts scheint offenbar auch die große Ausnahme bei der Jagdausbildung zu sein und somit fühle ich mich schon ein wenig privilegiert, bei einem solch guten Jagdprinz sein zu dürfen. Ein weiterer großer Pluspunkt für die Mentorenausbildung.

Mehrfach habe ich schon gehört, dass man ja erst nach Bestehen des Jagdscheins seine Erfahrungen sammeln kann. Nun, falsch ist das sicherlich nicht, denn die Jagd erfordert lebenslanges Lernen aber ich bin dennoch der Meinung, dass speziell das jagdliche Schießen und die Praxis der Sondierung im Revier auch vor dem Bestehen eines Jagdscheines trainiert werden muss! Denn wenn ich das erste Mal genau diesen Teil der Jagd ausüben darf, dann sollte alles, was dazugehört, auch sitzen! Darauf kann man aufbauen aber nicht auf weniger!

(mr)

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