Braucht man als Jäger eine Kurzwaffe?

Braucht man als Jäger eine Kurzwaffe?

Bei meinen Überlegungen, ob ich mir eine Kurzwaffe anschaffen soll, bin ich auf die unterschiedlichsten Meinungen gestoßen. Fast alle erfahrenen Jägerinnen und Jäger, die ich gefragt habe, sind der prinzipiellen Auffassung, dass man als Jungjäger keine Kurzwaffe benötigt. Die Gegenargumente beziehen sich die gesetzlichen Bestimmungen, auf Fragen der Sicherheit und den jagdlichen Einsatzzweck und prinzipiell muss ich zustimmen. Es geht auch ohne Kurzwaffe, aber das ist ungefähr die gleiche Argumentation, dass man auch ohne Schalldämpfer schießen kann!

Gesetzliche Bestimmungen

Das Waffengesetz (WaffG) erlaubt einem Jäger mit dem § 13 Abs. 2 den Erwerb von 2 Kurzwaffen ohne Nachweis eines Bedürfnisses als sog. Grundausstattung.

„Das Bedürfnis wird unterstellt, dies gilt sowohl für das spezielle waffen- und munitionsbezogene Bedürfnis als auch für das allgemeine Bedürfnis nach § 4 Abs. 1 Nr. 4 i.V.m. § 8 WaffG (und zwar) in Bezug auf Langwaffen und zwei (…) Kurzwaffen“

Waffenrecht, Steindorf, 10. Auflage, zu § 13 Rn. 6a. 

Reicht der gelöste Jagdschein zum Erwerb von Langwaffen in unbegrenzter Anzahl aus (Vorsicht: Neue Rechtssprechungen gehen in die Richtung, dass auch hier eine gewisse Anzahl nicht grundlos überschritten werden darf), benötigt man als Jäger beim Erwerb einer Kurzwaffe einen sogenannten Voreintrag in der Waffenbesitzkarte (WBK). Die Zuständigkeit liegt in RLP bei der unteren Jagd- bzw. Waffenbehörde und diese trägt dort auf Antrag die Berechtigung zum Erwerb und Besitz, den Waffentyp sowie Munition/Kaliber ein. Der Voreintrag ist ein Jahr gültig. Nach dem Erwerb der Waffe muss dies der Verwaltungsbehörde innerhalb von 14 Tagen angezeigt werden.

In gewisser Weise wird dadurch dem Abschnitt 3 in diesem Artikel schon einmal vorgegriffen, denn es gäbe keine Bedürfnisanerkennung, wenn es keine jagdlichen Einsatzgebiete gäbe. Da aber ein Voreintrag notwendig ist, muss man sich bereits im Vorfeld für den Waffentyp Revolver oder Pistole entscheiden.

Revolver - Smith & Wesson
Revolver
Pistole - halbautomatische Kurzwaffe
Pistole

Für mich als Jungjäger war diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten, denn welche Erfahrungen hatte ich denn vorzuweisen? Zwar haben wir in der Mentorenausbildung mit beiden Waffentypen geschossen aber erstens nur auf sehr kurze Distanz und nur ein einziges Mal mit einer halbautomatischen Pistole. Aus meiner Sicht ist diese Frage essentiell und ohne Hilfe nicht so ohne Weiteres zu beantworten. Somit habe ich einen befreundeten Sportschützen um Rat gefragt und konnte auf diesem Wege zwei Revolver und zwei Pistolen auf dem Schießstand ausgiebig testen. Geschossen wurde auf 25 Meter, denn bei dieser Distanz zeigt sich nach meiner Erfahrung sehr schnell, mit welcher Waffe man am besten zurecht kommt.

Die Frage nach der Sicherheit

Zum größten Erstaunen meines Bekannten sahen meine Trefferbilder mit allen vier Waffen sehr gut aus und es wurde anerkennend gefragt, ob ich nicht an einer Mitgliedschaft in der Schützengesellschaft interessiert sei. Später bin ich diesem Anliegen dann nachgekommen.

Die erste Waffe war eine Glock 19, Gen. 5. Die Waffe wiegt mit vollem Magazin ca. 950 g und ist damit superleicht. Sogleich dachte ich, dass diese Waffe sicherlich den besten Tragekomfort beim Gang ins Revier haben dürfte. Ich feuerte die ersten 5 Schuss und war mit dem Trefferbild nicht ganz zufrieden. Ausreißer nach oben und unten aber immerhin alle im inneren Ring. Nach dem zweiten Durchgang mit dem Kaliber 9 mm Luger wurde es dann schon besser aber ich spürte bereits, dass ich mir das Schießen damit anders vorgestellt hatte.

Ich probierte die zweite Kurzwaffe, eine CZ P-10 F OR, ebenfalls mit dem Kaliber 9 mm Luger. Nach dem ersten Schuss bemerkte ich bereits, dass mir die Waffe wesentlich besser lag, als die kleine und leichte Glock. Die CZ hat ohne Magazin bereits ein Eigengewicht von ca. 800 g und bringt mit gefülltem Magazin über 1 kg auf die Waage. Durch die längere Bauart war auch das Trefferbild besser. Hier hatte ich zwar auch leichte Ausreißer nach Links und Rechts aber das lag an den Griffschalen, die für mich nicht ideal waren.

Ich übernahm den Revolver S&W Highway Patrolman mit 6″ Lauflänge im Kaliber .357 Magnum. Bei dem Kaliber war schon etwas mehr „Wums“ dahinter, als bei den 9 mm Luger und nach dem ersten Schuss wusste ich, dass es ein Revolver werden würde. Das Trefferbild war hervorragend und das Handling (für mich) überragend. Allerdings darf man nicht verschweigen, dass dieser Revolver mit 1.320 g auch ein ganz schönes Gewicht hat. Dennoch – ich probierte noch den vierten Revolver aus, der ebenfalls ein S&W Highway Patrolman war, jedoch mit 4″ und damit war ich mir sicher. Das Gewicht der Waffe fängt den brutalen Rückstoß der .357er Magnumpatronen sehr gut ab und liegt einfach hervorragend in meinen Händen.

Mit dieser Waffe habe ich bei insgesamt 15 Schuss auf 25 m ein hervorragendes Trefferbild hinlegen können und die etwas kürzere Bauweise würde das Tragen der Waffe angenehmer machen. Der Rückstoß war bei dem 4″ Revolver etwas stärker als bei der 6″ Waffe, jedoch störte es mich nicht. Aus der Handhabungssicht war für mich die Frage somit geklärt und ich musste mir nur noch Gedanken um die Sicherheit machen.

Welche Waffe war für mich sicherer? Man muss man sich über den Einsatzzweck im Klaren sein. Eine Kurzwaffe wird für den Fangschuss oder aber zum Selbstschutz verwendet. Da mich die Pirsch auf Sauen jagdlich am meisten reizt, stellt sich mir die Frage, ob eine gesicherte Pistole im Halfter schnell genug in den Anschlag zu bringen ist, wenn ein aufgeregter Schwarzkittel, mitten in den Brombeeren, auf mich zugewalzt kommt. Aus Sicherheitsgründen würde ich eine Pistole nur unterladen führen und somit sind vier Handgriffe notwendig (sieht man von der Glock einmal ab!). Greifen und aus dem Holster sowie Schlitten nach hinten ziehen und entsichern und schießen. Bis dahin muss die Waffe bereits im Anschlag sein und dass in einer solchen Stresssituation? Bei einem Fangschuss auf ein verletztes aber liegendes Wild ist das für mich noch vorstellbar, aber wenn das Tier aufmacht, wäre die gleiche Situation vorhanden. Zu guter Letzt handelt es sich um einen Halbautomat, so dass sich nach einem abgegebenen Schuss direkt die nächste Kugel im Patronenlager befindet; gefährlich, wie ich finde, vor allem, wenn man durch die Brombeeren stolpert.

Bei einem Revolver habe ich nur zwei Aktionen durchzuführen – ziehen und schießen! Wenn ich besonders geübt bin, vielleicht noch ziehen, spannen und schießen aber es geht eben auch ohne, sofern man einen Double-Action-Revolver besitzt. Hinzu kommt, dass ein Revolver keine Sicherung benötigt und viele Modelle eine Handballensicherung besitzen, die verhindert, dass die Waffe auslöst, wenn sie z.B. fällt. Für mich ist das ein ganz klares Plus für den Revolver.

Ich recherchierte also im Netz nach der S&W Highway Patrolman .357 Mag 4″ und fand schon bald ein interessantes Angebot. Die gebrauchte Waffe war brüniert und mit Holster. Ich ließ sie mir zur Ansicht kommen, machte noch einige Probeschüsse auf dem Schießstand und kaufte die Waffe schließlich. Bei meinem Reviergängen trage ich sie oft und muss sagen, dass ich sie inzwischen kaum noch bemerke.

S&W Highway Patrolman .357 Mag 4″ mit Holster und Koffer zu einem Preis von unter 500,- €

Trotz meinen guten Testergebnissen muss man sich als Jäger jedoch darüber im Klaren sein, dass ohne regelmäßiges Training kein sicherer Einsatz einer Kurzwaffe möglich ist. Da Sicherheit an oberster Stelle steht, sollte man entsprechende Übungsintervalle einplanen. Aus diesem Grund bin ich auch letztendlich der Schützengesellschaft beigetreten, weil ich hier bessere Trainingsbedingungen als am Schießstand des Landesjagdverbandes findet konnte. Außerdem stehen einem sehr gute Experten zur Seite, die man diesbezüglich in der Jägerschaft in meiner Region nicht so schnell findet.

Jagdlicher Einsatzzweck

Nachdem ich dem ein oder anderen befreundeten Waidmann von meiner neuen Errungenschaft berichtet hatte, dauerte es nicht lange, bis die ersten negativen Bemerkungen geäußert wurden. „Was willst Du denn mit solch einer Kanone?“, „Gehst Du auf Büffeljagd?“, „Damit willst Du Fallenjagd betreiben?“ und so weiter …

Mir wurde bei den Gesprächen deutlich, dass die meisten selbst überhaupt keine Kurzwaffe führten. Selbstverständlich ist es absurd zu glauben, man klotzt mit einem solchen Kaliber aus 50 cm Entfernung in eine Falle, um das dort gefangene Tier zu erlegen. Vermutlich wird das gelingen, jedoch kann man die Falle auch gleich entsorgen und wenn man großes Pech hat, sich selbst auch noch! Bei Lebendfangfallen gibt es keine bessere Wahl als eine Langwaffe mit kleinem Kaliber – alleine deshalb, weil man sich weiter entfernt von dem dort gefangenen Wild befindet und so der Stressfaktor für das Tier nicht so hoch ist. Wer allen Ernstes glaubt, diese Anforderung waidgerecht mit einer Kurzwaffe lösen zu können, hat in meinen Augen weder die Fallenjagd noch die Kurzwaffe selbst ausprobiert!

Die Anspielung auf das schwere Kaliber kam mir öfters zu Ohren aber da kann ich aus eigener Beobachtung sagen, dass trotz tödlicher Treffer mit 9 mm Patronen die Schwarzkittel noch weite Strecken zurücklegen und den Schützen noch schwer verletzen können. Das passiert mit dem Kaliber .357 Mag nicht so schnell, vorausgesetzt natürlich, man trifft richtig! Na ja – und was ich mit einer solchen „Kanone“ erreichen will, habe ich ja schon geschrieben! Selbstschutz und Fangschuss! Fertig!

Fazit

Da wären wir wieder beim Anfang. Selbstschutz und Fangschutz – dafür braucht man keine Kurzwaffe und aus diesem Grund stimme ich auch prinzipiell zu. Sicherlich kann man in den Brombeeren selbstsicher, wie unsere Vorfahren, dem Schwarzkittel mit einem Saufänger begegnen oder aber mit der Langwaffe aus der Hüfte feuern sowie den Fangschuss mit einer Langwaffe ausführen. Man kann sich selbst aber auch einfach sicherer und wohler fühlen, wenn man eine Kurzwaffe führt. Bevor ich mit meiner Langwaffe im Dickicht hängen bleibe oder tatsächlich zu einem Messer greife, ziehe ich lieber eine Kurzwaffe! Aus meiner Sicht ist es auch angenehmer, wenn man am Straßenrand das angefahrene Wild vor den Augen von Zuschauern mit einer Kurzwaffe erlöst, weil in der Öffentlichkeit nun mal Waffen gemischte Gefühle hervorrufen und eine Langwaffe nicht unauffällig getragen werden kann.

Ich persönlich stehe nach wie vor hinter meiner Entscheidung und fühle mich gut damit aber ich muss auch zugeben, dass eine Kurzwaffe (hoffentlich) selten zum Einsatz kommen wird und somit muss jeder für sich persönlich entscheiden, ob die Anschaffungskosten und der notwendige Trainingsaufwand in einem sinnvollen Verhältnis zum Einsatzzweck steht.


Wenn Ihr Anmerkungen zu dem Artikel habt, nutzt die Kommentarfunktion und wenn Ihr Fragen habt – insbesondere Jungjägerinnen und Jungjäger, die vor der gleichen Frage stehen, können wir uns auch gerne persönlich unterhalten! Ich hoffe, dass ich Euch zumindest einen Anhaltspunkt mit meinem Erfahrungsbericht geben konnte.

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