Merry Christmas And A Happy New Year

Freude und Trauer, Tod und Leben, Hell und Dunkel gehören zusammen und lassen sich nicht trennen. Den meisten Jägern ist das insbesondere nach dem Erlegen nur allzu deutlich vor Augen. Neben der Trauer lässt sich aber auch die Kraft für neue Taten finden und mit der Geschichte meines ersten Rehwildes möchte ich Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches Neues Jahr wünschen!

Der ein oder andere fragt sich sicherlich, warum ich die Überschrift in Englisch geschrieben habe. Der Grund ist einfach – es passte in eine Zeile! 😉 Außerdem denke ich, macht das in diesem „merkwürdigen“ Jahr auch nicht mehr viel aus. Natürlich wünsche ich Euch auch gerne auf Deutsch eine frohe Weihnacht und einen guten Rutsch ins Neue Jahr, ja würde das auch in allen anderen Sprachen machen, wenn ich noch weitere sprechen würde! Somit – fühlt Euch einfach alle gegrüßt, ganz gleich, wo ihr Euch gerade befindet!

Sicherlich wird 2021 für viele Menschen nicht in guter Erinnerung bleiben. Neben der unsäglichen Pandemie ansich, fing das Jahr schon mit dem Sturm auf das Capitol dem Impf-Chaos in Deutschland sowie der Wahl von Laschet zum CDU-Vorsitz sehr merkwürdig an. Nachdem die deutsche Corona-Politik zwischen Lockerungen und Virusmutationen fest saß und sich noch einen Maskenskandal leistete, folgten Entspannungen und Lockerungen dann das grausame Hochwasserereignis und, pünktlich mit dem Antritt der neuen Regierung, dann auch die vierte Welle und der nächste drohende Lockdown. Außerdem ging die Ära Merkel zu Ende und fortan werden wir bis auf Weiteres von einer „Ampel“ regiert! Klasse! Dennoch – trotz des ganzen Desasters 2021 wird dieses Jahr für mich persönlich auch als eines der „intensivsten“ Jahre in Erinnerung bleiben!

Nach einer durch Corona sehr langen Vorbereitungszeit, schaffte ich schließlich die Jagdprüfung mit dem besten Ergebnis im Kreis und mein durch die Ausbildung im Vorfeld schon verändertes Leben wurde durch Bond, meinem neuen und treuen DD, zusätzlich auf den Kopf gestellt. Das ich dann noch in einem Revier jagen darf, in dem ich auch lebe, komplettiert setzt allem die Krone auf. Es dauerte somit auch nicht lange, als ich nach dem Einschießen meiner Waffe endlich jagen gehen konnte. Es folgten ein paar Drückjagten und ein paar Revierarbeiten und direkt einige ganze Reihe von Misserfolgen. Immer wieder saß ich an und wurde kurz vor der Schussabgabe durch äußere Einflüsse gehindert. Mal waren es Reiter, dann Fußgänger und einmal auch ich selbst, als ich den Moment verpasste.

So brauchte ich ganze sieben Wochen, um am 17.12.2021 um 17:22 Uhr mein erstes Rehwild zu erlegen. Dieser Moment wird für mich immer in Erinnerung bleiben. Das Wild lag im Knall und der Schuss war perfekt durchs Blatt gegangen. Vor und während der Schussabgabe war ich – zu meinem späteren Erstaunen – sehr ruhig und auch nach dem sofortigen Repetieren hatte ich das Stück noch eine ganze Weile im Fadenkreuz, bevor ich absetzte. Dann fing es an …

Mein Puls beschleunigte und ich musste sogar durch den Mund atmen, als wäre ich 100 Meter gelaufen, so schnell ich konnte! Meine Hände begannen zu zittern und meine ganze Gefühlswelt stand Kopf! Natürlich war ich unglaublich erleichtert, auch Stolz, einen sehr guten Schuss gesetzt und mein erstes Wild erlegt zu haben aber, auch sehr traurig! Nun war es passiert, ich hatte einem wundervollen Tier das Leben genommen! Nach einer Weile verließ ich dann meine Kanzel, besorgte mir noch einen Fichtenzweig und trat nach etwa 70 Metern an das erlegte Stück heran. Mit sehr großem Respekt drehte ich es auf die rechte Seite, legte einen Teil des Zweiges auf den Einschuss und verabreichte dem Tier seinen letzten Bissen. Wie lange ich dort stand, kann ich nicht genau sagen aber als die Kälte in meine Beine kroch, stand der Mond bereits hoch am Himmel und tauchte alles in sein kaltes Licht. Ich bedankte mich noch einmal, dass ich das Reh hatte sehr gut treffen können und dass es dieses Jahr ein ganz besonderes Weihnachtsessen geben würde. Ich war mit mir im Reinen und wußte nun, dass ich jagen konnte! Nicht nur in Gedanken sondern wirklich! Es wird wohl immer so sein, dass es mich berührt aber genau dass soll es auch. Genau das ist richtig so! Intensiv!

Auch noch eine Woche nach dem Schuss lassen mich die Gedanken daran nicht los. Diese tiefe Bindung irritiert mich einerseits, macht mich aber andererseits auch sehr glücklich! Es zeigt mir, dass ich nicht ohne Gefühl jagen gehe! Das Leben unseres Wildes fasziniert mich und ist ein Teil meines Lebens. Es liegt mir sehr am Herzen und ich weiß nun, dass ich unser Wild mit noch mehr Respekt ansehen werde.

Auch wenn diese Schilderung vermutlich für viele Menschen ein Widerspruch zu sein scheint, ist es das für mich nicht. Der Tod gehört zum Leben dazu und die Jagd führt mir deutlich vor Augen, wie schnell alles vorbei sein kann. Bei dem erlegten Reh, bei mir, bei Freunden und allen anderen Lebewesen. Aus diesem Grund muss man jede Sekunde schätzen und Dinge, die einem wichtig sind, nicht auf Morgen verschieben!

In diesem Sinne erhalten die drei Strophen des Revierförsters Oskar Riesenthal, dass erstmalig 1880 in seinem Buch „Waidmannsheil“ erschienen ist, für mich eine ganz neue Intensität.

WAIDMANNSHEIL

Es ist des Jägers Ehrenschild,
das er beschützt und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt, wie sich’s gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!

Das Kriegsgeschoß der Haß regiert, –
Die Lieb‘ zum Wild den Stutzen führt:
Drum denk‘ bei Deinem täglich Brot
ob auch Dein Wild nicht leidet Not!

Behüt’s vor Mensch und Tier zumal!
Verkürze ihm die Todesqual!
Sei außen rauh, doch innen mild, –
Dann bleibet blank Dein Ehrenschild!

Oskar von Riesenthal (1830 – 1898)

Für 2022 wünsche ich Euch allen und Euren Familien von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest, ein erfolgreiches, glückliches Neues Jahr und allzeit eine sichere Kugel, auf dass das Ehrenschild auch in Zukunft glänzen kann!

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